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Stillesteh'n ist Untergeh'n ...


In einem Leserbrief berichtet Margaretha Kilchenmann im "Weg" Nr. 6 2009 über ihre 40jährige Berufserfahrung. Es ist eine Zeitreise vom “Diktaphon- und Stenozeitalter” zu E-Mail und elektronischen Wörterbüchern.


Ich absolvierte meine obligatorische Schulzeit in der Blindenanstalt Spiez und die kaufmännische Lehre in der Blindenschule Zollikofen. Ein Schuljahr in Lausanne und ein 4-monatiger Sprachaufenthalt in England halfen mir, meine Fremdsprachenkenntnisse zu vertiefen.

Nach einer 3-monatigen Stellensuche konnte ich Mitte März 1967 bei HACO AG Gümligen, Hersteller von Lebensmitteln, in die Exportabteilung eintreten. Während der ersten 25 Jahre tippte ich nach Diktaphon deutsche, französische und englische Texte (Briefe, Fax-Briefe, Mitteilungen, Verträge etc.) auf einer elektrischen Schreibmaschine, damals noch ohne jegliche Kontrollmöglichkeit.

Anfang der 90er-Jahre hielt der Computer Einzug in unsere Firma. Die Braillezeile und die akustische Sprache ermöglichten mir ein entspannteres Schreiben. (…) Bald darauf wurde das E-Mail eingeführt. Das hatte zur Folge, dass immer weniger diktiert wurde und die Sachbearbeiter ihre schriftlichen Arbeiten selbst erledigten. So kam es dazu, dass ich mit Französischübersetzungen für unsere welschen Aussendienstmitarbeiter beauftragt wurde. Nach der Gründung unserer Tochterfirma in Malaysia kamen noch englische Übersetzungen hinzu. Eine grosse Hilfe dabei sind interne elektronische Wörterbücher oder Online-Diktionäre. Vor ca. 10 Jahren wurden mir unsere KV-Lehrlinge für zusätzlichen Sprachunterricht anvertraut. (...)

Dank der Tatsache, dass meine Ausbildung diesen Weg genommen hat und Dank der elektronischen Hilfsmittel, konnte ich nach dem “Diktaphon- und Stenozeitalter” weiterhin beschäftigt werden.

Natürlich brauchte es auch den Goodwill der HACO AG, eine sehbehinderte Person anzustellen. Nicht vergessen möchte ich die Kolleginnen, die mich auf der Strasse oder ins Personalrestaurant begleiten, wo immer eine lockere Atmosphäre herrscht.


Quelle: Der Weg Nr. 6, 2009