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Hansburkhard Meier – Musiker, Pädagoge, Entwicklungshelfr und Musikkritiker

Hansburkhard Meier, Jahrgang 1926, lebt mit seiner Frau in Baldegg, in unmittelbarer Nähe des von ihm geliebten Baldegger Sees. Das Leben des Ehepaars Meier ist relativ ruhig geworden, „zu ruhig“ wie er gelegentlich findet.



Portrait von Franziska Ternetz


Hansburkhard Meier ist Kapitän seines eigenen Lebens. Dieses begann am 17. Juli 1926 in Emmenbrücke. Hansburkhard ist der zweite Sohn eines Schriftsetzers. Kaum hatte er die Primarschule angefangen, machte sich seine Retinitis pigmentosa bemerkbar. Der Junge liess sich davon nicht entmutigen, schaute vorwärts und arbeitete viel für die Schule.
Beim Übertritt in die Sekundarstufe erblindete Hansburkhard Meier fast gänzlich. Da er in der vierzigköpfigen Klasse der öffentlichen Schule nicht vom Lehrer berücksichtigt werden konnte, wechselte er in eine Privatschule. Die Mutter unterstützte den Jungen tatkräftig beim Erarbeiten und Erledigen des Schulstoffs. Mangels blindentechnischer Hilfsmittel war Hansburkhard lediglich hörender Schüler. Trotz dieser Schwierigkeiten und dank seines grossen Arbeitswillens schaffte er die Sekundarschule in zwei statt drei Jahren.

Ausbildung


Bereits als Zweitklässler lernte Hansburkhard Meier Handorgel spielen. Sein musikalisches Talent fiel auf. Als Sechstklässler wechselte er zum Klavier, um später einen Musikberuf ergreifen zu können. In dieser Zeit begegnete Hansburkhard Johann Friedrich Bucher, einem berühmten blinden Organisten und Komponisten aus Luzern.(1) Dieser eröffnete dem Jugendlichen eine neue Welt: Bucher unterrichtete Meier in der Braille- und Notenbrailleschrift. So konnte er den Schulstoff und die Musikstücke selbständig erarbeiten.
Nach der Sekundarschule verbrachte Hansburkhard Meier zwei Jahre an der Blindenschule in Lausanne. Dort erweiterte er nicht nur seine Allgemeinbildung und seine Musikkenntnisse, sondern erwarb ausgezeichnete Französisch­kenntnisse.
Wieder zurück in der Deutschschweiz begann Meier eine Ausbildung am Konservatorium in Luzern. 1947 schloss er als eidgenössisch diplomierter Klavierlehrer ab. Parallel zu seiner Unterrichtstätigkeit, die er nun auf privater Basis aufnahm, bildete sich Meier am Konservatorium zum Konzertpianisten weiter. Als Konzertpianist trat er in der ganzen Schweiz auf und schaffte sich sein Renommee.

Heirat und Familie


Noch während dem Studium lernte Hansburkhard Meier auf einer Traminsel die junge, musikinteressierte Maja kennen. Nicht nur die Liebe zur Musik verband sie. "Man kann sich im Leben nicht alles erarbeiten – man braucht auch Glück", erzählt Meier.1954 heiratete das Paar. Maja unterstützte ihren Mann tatkräftig bei all seinen Unternehmungen, und nach 17 gemeinsamen Jahren freute sich das Paar über die Geburt des Sohnes Sylvan, der heute selbst Vater von zwei Töchtern ist.

Lehrer und Kritiker


1960 nahm Hansburkhard Meier ein zehnstündiges Wochenpensum als Musiklehrer am Lehrerseminar in Hitzkirch an – sein erstes regelmässiges Einkommen. Mit einem Standbein gehörte er nun zur Lehrerschaft. Bereits ein Jahr später liess er sich als vollamtlicher Musiklehrer anstellen. Meier hörte auf zu konzertieren und schrieb stattdessen während 30 Jahren Musikkritiken für verschiedene lokale Tageszeitungen.

Entwicklungshelfer und Präsident


Von 1974–76 wechselte Hansburkhard Meier den Kurs. Er zog mit seiner Frau Maja und seinem zweijährigen Sohn Sylvan an die Elfenbeinküste, um in Abidjan als Projektleiter von Caritas eine Blindenschule aufzubauen. "Das war die spannendste Unternehmung meines Lebens!", sagt Meier heute.
1981–83 leistete Hansburkhard Meier einen weiteren Einsatz als Entwicklungshelfer in der Nähe von Ouagadougou in Burkina Faso.
Daneben engagierte sich Meier jahrzehntelang in der Schweiz für Menschen mit einer Sehbehinderung. Er war aktives Mitglied des Schweizerischen Blinden- und Sehbehindertenverbands (SBV). Von 1987 bis 1995 war er gar Präsident des SBV.

Auf Kurs


Hansburkhard Meier ist ein Kapitän, der das Schiff seines Lebens unbeirrt geradeaus lenkt. Er sei weder religiös noch visionär, sondern lediglich Pragmatiker, meint er. Hindernisse umschifft er auf schnellstmögliche Weise. Mit bald 88 Jahren blickt er zufrieden zurück. "Ich hatte ein glückliches Leben", sagt er und steuert sein Schiff weiterhin geradeaus.

Ahoi und gute Reise!

Quelle: Der Weg. Mitgliedermagazin des Schweizerischen Blinden- und Sehbehindertenverbandes Mai 2013


1) Johann Friedrich Bucher 1902-1946


Donald Rüedi schrieb in einem Nachruf auf den blinden schweizer Musiker 1946: „Johann Friedrich Bucher (1902 - 1946), der blinde Organist. Die Lieder des Mai begleiteten in Luzern den blinden Organisten von St. Paul Joh. Friedrich Bucher zu Grabe. Mit 6 Jahren Waise, mit 17 Jahren blind. Dann erschloss sich dem seelenvollen Geistesmenschen die Musica sacra. Ihr diente er über 20 Jahre als blinder Organist, als Dirigent, Komponist, Schriftsteller, als Mitbegründer der Abteilung "Katholische Kirchenmusik" am Luzerner Konservatorium. Nun sind ihm der Seligkeit Lichter und Lieder aufgegangen.“ - Anmerkung der FAS-Redaktion