Suche

Verbesserung der Situation von Studierenden mit einer Behinderung. Der Gleichstellungsrat Egalité Handicap und der Verband der Schweizer Studierendenschaften arbeiten zusammen

Bedürfnisse sollen erhoben, neue Studien durchgeführt und Standards empfohlen werden ... Hoffen wir, dass die Zusammenarbeit zwischen dem VSSS und Egalité Handicap mehr ist als eine politisch akademische Alibi-Übung, die vor allem dazu dient, die Betroffenen zu trösten und sich um klare Stellungnahmen und um unangenehme Auseinandersetzungen zu drücken. M.N.



Quelle: Konzeptentwurf VSS/Gleichstellungsrat "Accessibilité des hautes écoles pour les personnes handicapées en Suisse", 2. März 2007<





Trotz des ziemlich fortschrittlichen Rechtsrahmens ist die Gleichstellung von behinderten Menschen im Bereich der Hochschulen noch bei weitem nicht selbstverständlich. Dazu gibt es verschiedene Beispiele: Bei der Zuteilung der Lehrveranstaltungen auf die verfügbaren Räume wird nicht berücksichtigt, dass eine Studentin Rollstuhlfahrerin ist (obwohl mehrere Räume rollstuhlgängig sind); die Prüfungsbedingungen werden nicht an die besonderen Bedürfnisse einer sehbehinderten Person angepasst (Verlängerung der Prüfungsdauer); eine Person besteht eine mündliche Prüfung nicht, weil sie sehr stark stottert; und einer HIV-infizierten – und deshalb im Sinne des BehiG behinderten – Person wird der Zugang zu einer Ausbildung im medizinischen Bereich verweigert.

Aus diesem Grund haben der Verband der Schweizer Studierendenschaften VSS, der aus neun Sektionen besteht, die rund 78'000 Studierende vertreten, und der Gleichstellungsrat Egalité Handicap, er wird vom AGILE-Vorstand gewählt und vertritt die Menschen mit Behinderung in allen Gleichstellungsfragen, eine Zusammenarbeit beschlossen. Das Ziel dieses Zusammengehens ist es, die Zugänglichkeit der Hochschulen für behinderte Personen zu verbessern – was zentral ist für deren stärkere berufliche und soziale Integration.

In der ersten Phase des Projekts wird der Gleichstellungsrat eruieren, welche konkreten Bedürfnisse die verschiedenen Behinderungsgruppen in Bezug auf die Zugänglichkeit haben. Anschliessend wird ein Bericht über die Situation an den verschiedenen Universitäten und Fachhochschulen erstellt werden. Dabei wird unter Berücksichtigung bereits existierender Studien geprüft werden, wie sich das Inkrafttreten des Behinderten-Gleichstellungsgesetzes (BehiG) ausgewirkt hat und wie das Angebot der Hochschulen in Bezug auf die Zugänglichkeit aussieht.

Auf dieser Basis werden der VSS und der Gleichstellungsrat Empfehlungen verabschieden und dem Organ für Akkreditierung und Qualitätssicherung der Schweizerischen Hochschulen (OAQ) neue Evaluationskriterien betreffend die Zugänglichkeit vorschlagen. Gemeinsam mit den VSS-Mitgliedorganisationen soll zudem Sensibilisierungs- und Lobbyarbeit bei den für die höhere Ausbildung verantwortlichen nationalen Stellen und den Hochschulleitungen geleistet werden.


Aus: agile – Behinderung und Politik, Ausgabe 1-07


Weitere Beiträge zu dem Thema auf unserer Seite:
Schweizer Hochschulen – integrationsfreundlich? Die Ergebnisse einer ersten umfassenden Untersuchung ergeben ein zwispältiges Bild und Die Ausbildungssituation blinder und sehbehinderter Menschen in der Schweiz - eine Problemskizze