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Neue Nischen an der Universität Zürich

«Sanierung des Hauptgebäudes nach 15 Jahren abgeschlossen.» Generationen von Studierenden haben akustisch miterlebt, wie das Hauptgebäude der Universität Zürich schrittweise erneuert wurde. Nun ist die Sanierung abgeschlossen.

fur. Über 15 Jahre zog sich die Sanierung des Hauptgebäudes der Universität Zürich hin, am Dienstag nun haben die Verantwortlichen die ewige Baustelle für aufgehoben erklärt. Baudirektorin Ursula Gut und Bildungsdirektorin Regine Aeppli traten zur Eröffnungsfeier an, Musik ertönte, Apérogläser erklangen, und wohl manch ein Studierender fragte sich, was es hier eigentlich zu feiern gebe. Denn für jene, die sich regelmässig im Hauptgebäude der Universität Zürich aufhalten, sind die verschiedenen neuen Einrichtungen längst altbekannt. Sie wurden jeweils einzeln nach ihrer Fertigstellung in Betrieb genommen.

«Hilfe für verirrte Studierende.»
Das gilt beispielsweise für die neuen Arbeitsräume, Hörsäle und Bibliotheken, für die Büroräume und die neuen Zugänge ins Gebäude, für das neue Verpflegungsbuffet im Lichthof, aber auch für das elegante Turmrestaurant, in dem die Universitätsangestellten essen dürfen. Neu sind auch die verschiedenen Einrichtungen speziell für Behinderte, beispielsweise ein kleiner Ruheraum, der an den Lichthof anschliesst, oder Einrichtungen, die es hörbehinderten Studierenden ermöglichen, die Worte des Dozierenden besser auf ihrem Hörgerät zu empfangen. Und wer jemals suchend durch die Gänge der Universität geirrt ist, der weiss eine weitere Neuheit zu schätzen: eine Art Informationsinsel an verschiedenen zentralen Orten, versehen mit Orientierungstafeln, Zeitschriftenständer, Telefon und vor allem einer Computerstation, auf der sich über die Website der Universität nicht nur Informationen abrufen lassen, sondern auch E-Mails. Verbessert wurde das Gebäude aber auch dort, wo von aussen nichts zu erkennen ist. So genügten beispielsweise die Tragwerke bei der Gebäudestatik den heutigen Sicherheitsstandards nicht mehr und mussten erneuert werden. Zudem wurde praktisch die gesamte Haustechnik ausgewechselt und die Wärmedämmung verbessert.

«Drei Jahre früher fertig als geplant.»
Das Hauptgebäude - Kollegiengebäude I mit offiziellem Namen - wurde von 1911 bis 1914 von den Architekten Curjel und Moser errichtet. Seither thront es über der Altstadt, und sein Turm gilt zusammen mit jenem des benachbarten ETH-Gebäudes als Stadtkrone von Zürich. Allerdings sei das Innere des Baus nicht konsequent durchdacht und teilweise willkürlich angeordnet worden, sagte Baudirektorin Gut an der Eröffnungsfeier. Das Volumen und das Potenzial seien nicht optimal ausgeschöpft gewesen. Diesen Mangel hat nun der Architekt Rolf Wolfensberger zusammen mit dem Hochbauamt zu beseitigen versucht. Die Nutzfläche habe man um rund 10 Prozent steigern können, schätzt Wolfensberger. Erreicht wurde dies unter anderem damit, dass man wenig nutzbare Fläche wie Estrichräume zu Seminarräumen umfunktioniert hat. Der vor 15 Jahren festgesetzte Kostenrahmen von 80 Millionen Franken wurde dabei eingehalten, und die Bauarbeiten wurden gar drei Jahre früher fertig als ursprünglich geplant. Für Bildungsdirektorin Aeppli - wie ihre Kollegin Gut einst selbst Studentin an der Universität Zürich - ist das Gebäude nicht nur Hort von prägenden Erinnerungen an die Studienzeit, sondern auch ein Wahrzeichen der Universität, welches das intellektuelle und akademische Zentrum Zürichs sichtbar mache. Die Universität habe mit ihren Leistungen in Lehre und Forschung eine leistungsfähige Infrastruktur verdient.

(Quelle: NZZ vom 28.2.2007)